Der DORSCH in der 19. Auflage: das Standardwerk der Psychologie!

Pseudoerinnerung

Online-Eintrag zitieren

Volbert, R. (2019). Pseudoerinnerung. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 12.11.2019, von https://m.portal.hogrefe.com/dorsch/pseudoerinnerung/


Aus dem Buch zitieren

Volbert, R. (2014). Pseudoerinnerung. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie (18. Aufl., S. 1238). Bern: Verlag Hogrefe Verlag.
Vorsicht: Dieser Eintrag wurde seit der letzten Buchpublikation online aktualisiert.

Prof. Dr. Renate Volbert

Charité Universitätsmedizin Berlin, Institut für Forensische Psychiatrie
renate.volbert@charite.de

Literatur

Ceci, S. J., Huffmann, M., Smith, E. & Loftus, E. F. (1994). Repeatedly thinking about a non-event: Source misattributions among preschoolers. Consciousness And Cognition: An International Journal, 3, 3–4, 388–407.

Loftus, E. F. & Bernstein, D. M. (2005). Rich false memories: The royal road to success. In A. F. Healy (Ed.), Experimental cognitive psychology and its applications (pp. 101–113). Washington: American Psychological Association.

(= P.) [engl. pseudomemories, rich false memories; gr. ψεῦδος (pseudos) unecht, falsch], [KOG, RF], sind vermeintliche Erinnerungen an Ereignisse, die obj. nicht stattgefunden haben, subj. aber als tatsächliche Erinnerungen betrachtet werden. Erstmals wurde in einer Studie von Ceci et al. (1994) gezeigt, dass es möglich ist, nicht nur einzelne Details einer Erinnerung zu beeinflussen wie beim Falschinformationseffekt, sondern auch Erinnerungen an autobiografisch bedeutsame Ereignisse zu induzieren, die gar nicht stattgefunden haben. In vielen nachfolgenden Untersuchungen wurde dieser Effekt nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen repliziert, auch wenn Kinder eine größere Vulnerabilität gegenüber suggestiven Einflüssen aufweisen als Erwachsene. P. können entstehen, wenn durch eine sehr intensive Beschäftigung mit der möglichen Vorstellung, best. Erfahrungen gemacht zu haben, mentale Vorstellungen generiert werden, die wegen ihrer Lebhaftigkeit, Vertrautheit und schnellen Abrufbarkeit i. R. von Quellenverwechslungsfehlern fälschlicherweise für genuine Erinnerungen gehalten werden (Loftus & Bernstein 2005). Während in Simulationsuntersuchungen P. absichtlich induziert werden, geschieht dies in der Praxis überwiegend unabsichtlich. Ausgangspunkt ist hier i. d. R. ein erklärungsbedürftiges oder vermeintlich erklärungsbedürftiges Verhalten, für das vorschnell eine Erklärung gefunden wird: Es wird vermutet, in der Vergangenheit sei es zu belastenden oder traumatisierenden Erfahrungen gekommen, von denen wiederum angenommen wird, man würde sie nicht erinnern oder zumindest nicht darüber sprechen können. Deswegen werden Techniken angewandt, die das «Wiedererinnern» oder das Sprechen über die Erfahrungen erleichtern sollen. Die Kombination von Voreinstellung (Überzeugung, dass Sachverhalte, die aktuell nicht erinnert werden oder über die aktuell nicht gesprochen wird, dennoch sicher passiert sind), unkritischer Verwendung von Methoden zur Wiedererinnerung oder von suggestionslastigen Befragungstechniken (Suggestion), dem Ignorieren von nicht zur Ausgangshypothese passenden Informationen und der Verstärkung von erwarteten Antworten kann schließlich zur Ausbildung von P. führen.


Autor/en

Renate Volbert

Literatur

Ceci, S. J., Huffmann, M., Smith, E. & Loftus, E. F. (1994). Repeatedly thinking about a non-event: Source misattributions among preschoolers. Consciousness And Cognition: An International Journal, 3, 3–4, 388–407.

Loftus, E. F. & Bernstein, D. M. (2005). Rich false memories: The royal road to success. In A. F. Healy (Ed.), Experimental cognitive psychology and its applications (pp. 101–113). Washington: American Psychological Association.