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Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HHN-Achse)

Online-Eintrag zitieren

Himmerich, H. (2019). Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HHN-Achse). In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 12.11.2019, von https://m.portal.hogrefe.com/dorsch/hypothalamus-hypophysen-nebennieren-achse-hhn-achse-1/


Aus dem Buch zitieren

Himmerich, H. (2014). Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HHN-Achse). In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie (18. Aufl., S. 719). Bern: Verlag Hogrefe Verlag.
Vorsicht: Dieser Eintrag wurde seit der letzten Buchpublikation online aktualisiert.

Prof. Dr. med. Hubertus Himmerich

Universitätsklinikum Leipzig, Professor für Neurobiologie affektiver Störungen der Claussen-Simon-Stiftung
Hubertus.Himmerich@medizin.uni-leipzig.de

Literatur

Himmerich, H. & Schneider, F. (2012a). Psychoendokrinologie. In F. Schneider (Hrsg.), Facharztwissen Psychiatrie und Psychotherapie (S. 496-501). Heidelberg: Springer.

(= H.) [engl. hypothalamus pituitary adrenal (HPA) axis], [BIO, PHA], Hormonsystem, das durch Zellen des Hypothalamus gesteuert wird, die Kortikotropin-Releasing-Hormone (CRH) produzieren, und das in der Hypophyse die Sekretion des adrenokortikotropen Hormons anregt, das wiederum stimulierend auf die Bildung von Glukokortikoiden in der Nebennierenrinde wirkt (Hormone). Die Glukokortikoide, wie bspw. Kortisol, spielen eine wichtige Rolle im Glukosestoffwechsel und hemmen i. S. einer Feedback-Wirkung im Hypothalamus die Bildung von CRH. Das H. wird auch Stresshormonsystem genannt, weil es bei psych. und körperlichem Stress heraufreguliert ist. Es wird aber typischerweise auch bei psych. Erkrankungen wie der Depression oder der Anorexie durch proinflammatorische Zytokine i. R. von entzündlichen Erkrankungen oder bei Absinken des Glukosespiegels im Blut aktiviert. Erkrankungen der H. mit überhöhter Glukokortikoidproduktion führen zum Cushing-Syndrom, das zum Auftreten affektiver Störungen führen kann.



Mitte der 1960er-Jahre wurde erstmals beobachtet, dass während der Erkrankungsphase einer schweren Depression signifikant erhöhte Kortisolkonzentrationen im Blut nachweisbar sind; ein Befund, der sich in engem zeitlichem Zus.hang mit der klin. Besserung wieder normalisiert. Bei Pat. mit einer Depression ist wahrscheinlich die Glukokortikoidrezeptor-Funktion verändert, weshalb es zu einer verringerten Feedback-Wirkung der Glukokortikoide im Hypothalamus kommt. Zur Messung der Glukokortikoidrezeptorsensitivität wird der sog. Dexamethason/CRH-Stimulationstest (Dex/CRH-Test; Dexamethason-Suppressionstest) verwendet. Der Dex/CRH-Test hat sich inzw. in einigen Kliniken als Surrogatmarker der Depression etabliert. Möglicherweise ist die Überaktivität der H. auch kausal in die Pathogenese der Depression involviert, weswegen potenzielle Antidepressiva entwickelt wurden, die Hormone der H. hemmen. Mittlerweile gibt es pos. Studien zur antidepressiven Wirksamkeit eines CRH-1-Rezeptor-Antagonisten (R121919), Inhibitoren der Kortisolsynthese (Ketoconazol, Metyrapon) und einem Glukokortikoidrezeptorantagonisten (Mifepriston-RU486/C-1073). Keines dieser Medikamente wurde jedoch bisher als Antidepressivum zugelassen.


Autor/en

Hubertus Himmerich

Literatur

Himmerich, H. & Schneider, F. (2012a). Psychoendokrinologie. In F. Schneider (Hrsg.), Facharztwissen Psychiatrie und Psychotherapie (S. 496-501). Heidelberg: Springer.