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Gruppenpolarisation

Online-Eintrag zitieren

Six, B. (2020). Gruppenpolarisation. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 25.05.2020, von https://m.portal.hogrefe.com/dorsch/gruppenpolarisation/


Aus dem Buch zitieren

Six, B. (2014). Gruppenpolarisation. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie (18. Aufl., S. 661). Bern: Verlag Hogrefe Verlag.
Vorsicht: Dieser Eintrag wurde seit der letzten Buchpublikation online aktualisiert.

Prof. em. Dr. Bernd Six

seit 2011 an der Medical School in Hamburg tätig, seit 2013 der zuständige Departmentleiter für Psychologie für den universitären Studiengang Psychologie, seit 2017 Professor für Sozial- und Organisationspsychologie
bernd.six@psych.uni-halle.de

Literatur

Moscovici, S. & Zavalloni, M. (1969). The group as a polarizer of attitudes. Journal of Personality and Social Psychology, 12, 125–135.

Brown, R. (2000). Group processes (2nd ed.). Oxford: Blackwell.

Hewstone, M. & Martin, R. (2007). Sozialer Einfluss. In K. Jonas, W. Stroebe, M. Hewstone (Hrsg.), Sozialpsychologie (5. Aufl., S. 359–408). Heidelberg: Springer.

Festinger, L. (1954). A theory of social comparison processes. Human Relations, 7, 117–140.

(= G.) [engl. group polarisation], [SOZ], in der Sozialps. ist G. die Tendenz einer Gruppe nach einer Gruppendiskussion extremere Gruppenentscheidungen zu fällen, als dies vor der Gruppendiskussion (definiert über den Mittelwert der Entscheidungen der jew. einzelnen Gruppenmitglieder) der Fall war. Die Extremisierung der Entscheidungen folgt dem Mittelwert der Entscheidungen vor der Diskussionsphase (Moscovici & Zavalloni, 1969). Je nach Ausgangsposition der Einstellung in einer Gruppe wird die Gruppenentscheidung also entweder extremer in Richtung auf eine pos. Entscheidungsposition oder in Richtung auf eine ablehnende, neg. Entscheidungsposition verschoben. Die zahlreichen Erklärungsversuche dieses Phänomens, das seit über 40 Jahren Forschungsgegenstand ist, lässt sich im Prinzip auf drei Varianten reduzieren (Brown, 2000, Hewstone & Martin, 2007): (1) Die Erklärung durch den Austausch persuasiver Argumente (Persuasion) macht geltend, dass in der Diskussion neue Argumente zur Sprache kommen, wobei solche Argumente pos. bewertet werden, die mit der dominanten Position (soziale Dominanz) übereinstimmen. (2) Die Erklärung durch soziale Vergleichsprozesse (sozialer Vergleich) basiert auf Ergebnissen in Gefolge der Arbeiten zur Theorie des sozialen Vergleichs (Festinger, 1954). Gruppenmitglieder vergleichen sich innerhalb einer Gruppe nicht nur untereinander, sondern sind auch daran interessiert, von anderen pos. beurteilt zu werden. Sobald die Position der anderen Gruppenmitglieder (in der Diskussion) bekannt wird, schließt man sich eben dieser Position an und vetritt evtl. noch eine extremere Position. (3) Die Erklärung durch die Selbstkategorisierung geht davon aus, dass Personen sich über die Zugehörigkeit zu einer Gruppe identifizieren und sich gleichzeitig von anderen Gruppen unterscheiden wollen (ingroup, outgroup). Die Polarisierung von Entscheidungen erfolgt zum einen durch die Abgrenzung der möglichen Entscheidungen von Fremdgruppen, aber auch durch die starke Identifikation mit den Mitgliedern der eigenen Gruppe, wobei man sich v. a. der Position prototypischer Mitglieder der eigenen Gruppe anschließt.


Autor/en

Bernd Six

Literatur

Moscovici, S. & Zavalloni, M. (1969). The group as a polarizer of attitudes. Journal of Personality and Social Psychology, 12, 125–135.

Brown, R. (2000). Group processes (2nd ed.). Oxford: Blackwell.

Hewstone, M. & Martin, R. (2007). Sozialer Einfluss. In K. Jonas, W. Stroebe, M. Hewstone (Hrsg.), Sozialpsychologie (5. Aufl., S. 359–408). Heidelberg: Springer.

Festinger, L. (1954). A theory of social comparison processes. Human Relations, 7, 117–140.